Es ist hochwahrscheinlich, dass die Methode bestimmter Negation allein nicht ausreicht, ein in sich geschlossenes System des Wissens aufzubauen. In diesem Satz könnte jetzt die gesamte Methodenkritik münden und man könnte sogar behaupten, ein Vergleich mit Hilfe der Anwendung von Hegels System sei nicht weiter von Bedeutung. In diesem Fall kann man nach dem Gödel – Theorem auch nicht notwendigerweise Mathematik mit dem Ziel der Vollständigkeit betreiben. Die Wahrheit liegt wie so oft in den Grundannahmen eines Modells, eines Systems oder eines Regelwerks. So sind es Axiome in der Mathematik, dogmatische Sätze in den meisten Religionen und bei Hegel bestimmte Programme, die sein Denken anführen, damit das sogenannte Ganze auch mit der Wahrheit in gleichem Maße stehen kann. Man wird an dieser Stelle den folgenden trivialen Satz ab nicken können: Ein System hängt immer von seinem unterliegenden Regelwerk und den Grundannahmen ab. Doch sind wir uns des vollen Umfangs dieses Satzes bewusst? Ändert man die sogenannten Körperaxiome in der Mathematik, wird man eine vollständig andere Wissenschaft als die traditionelle Mathematik erhalten. Was ist mit der Verflüssigung aller Denkinhalte bei Hegel? Nach Adorno ist die Beziehung zu dem sich bewegten Gegenstand, der sich auch selbst bewegend eine der zentralen Lehren der Hegelschen Phänomenologie. Nach Hegel folgt die List der Vernunft dem Programm des berühmten Satzes, das Wirkliche auch als Vernünftiges zu erkennen. Wird dieser Aspekt der Bewegung konsequent in allen Formen zu Ende gedacht? Ist es nicht ein schier unendliches und vielfaches Verlieren des Bodens unter den Füßen? Beginnt man wie Descartes, dem Anfänger der Philosophie, mit dem Zweifel an allem, verliert man sich mit so einer Technik des Hinterfragens in allem? Bereits Taylor stellt einige Bruchstellen in seinem Werk, der „Phänomenologie des Geistes“, im Folgenden PdG genannt, fest, wenn er die Übergänge einzelner Abschnitte und Kapitel betrachtet. So gibt es Übergänge der PdG, die in einigen Abschnitten bereits längst vollzogen wurden, in einem neuen Kapitel jedoch wieder erneut aufgegriffen werden. Passagen, die der Leser bereits verstanden hatte, werden noch einmal aufgegriffen und von einem viel früheren Punkt missverständlicher hergeleitet. In diesem Vorgehen braucht es in jedem Abschnitt eine neue Sprache, eine neue Begrifflichkeit, die die Paradoxien und Widersprüche, die auf jeder Stufe neu auftreten, wieder zusammenführen, eine höhere Reflexivität. Es ist auch immer das schiere Ringen nach einer neuen Semantik. War noch die sinnliche Gewissheit in einem Diesen oder Meinen gefangen zwischen Allgemeinheit und Einzelheit, setzte auch die Wahrnehmung ein und geriet in einen Taumel. Durch das Auftreten des Verstandes im nächsten Kapitel verbindet dieser mit Hilfe der verschiedenen Formen der Kraft die Widersprüche miteinander und kann so als höhere Position über die anderen reflektieren. Damit strotzt das System Hegels nur so vor Übergängen, deren einzelne Positionen stets einer neuen Verwirkung ausgesetzt sind. So möchte Hegel anscheinend die Übergänge so verständlich wie möglich gestalten, scheint aber Taylor zu Folge argumentativ in der Summe wieder etwas an Boden zu verlieren. Hegels Anspruch ist sogar so groß, dass er davon ausgeht, dass jede Position oder jeder Anfangspunkt irgendwann auf die gleichen Argumente und Widersprüche stoßen wird. In seinen schlussfolgernden Werken möchte er dies zeigen. Wie bei einem Fluss, dessen Hauptstrom nicht weiter verfolgt wird, sondern die Nebenflüsse entlangfährt, um jeden Punkt ausgiebig zu erforschen. Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt beschäftigt sich mit dem Teil der Wissenschaft der Logik, im Folgenden WdL genannt, welcher dazu führt, die schlechte Unendlichkeit als gute oder kontextual bezogene zu denken. Doch vorerst einen Schritt zurück. Die Wissenschaft der Logik, die man auch als weitere Einführung in Hegels System verstehen kann, ist unterteilt in Sein, Wesen und Begriffslogik. Man muss an dieser Stelle feststellen, dass die einzelnen Passagen nach ihrem Grad der Reflektivität gestaffelt wurden. Ein Widerspruch, welcher zu einer neuen Position führt und dann zu einem weiteren Widerspruch, könnte unendlich fortgeführt werden ohne Anfang oder absehbares Ende. Doch was wäre das? Eine schier unendliche Aneinanderreihung von Thesen und Aussagen, die sich lediglich auflösen, um einer neuen, vielleicht noch immanenteren Position Platz zu machen. Dies würde niemals enden. So muss eine schlechte Unendlichkeit, nämlich die des Regresses und linearen Fortführens, zur guten Unendlichkeit werden. Hegel listet in der WdL Punkte auf, warum dies aus seiner Sicht geschehen muss und vielleicht fußt genau an diesem Punkt eine der Hauptthesen seiner Philosophie schlechthin. Diese Methodenkritik soll ernst genommen werden; welche wichtigen Annahmen müssen getroffen werden, um mit Hegel operieren zu können? Hegels Logik beginnt mit dem Sein. Das Sein ist das Sein und auf diese Weise leer und deshalb nichts. Das Sein, welches auf etwas gerichtet ist, wird zum Dasein. Und Dasein und Nichts sind durch das Werden und Vergehen miteinander verbunden. Dies ist einer der möglichen Anfänge für Hegels System in der viel diskutierten Debatte, um generelle Anfänge zu Hegels System, die an dieser Stelle nicht wiederholt werden soll. Da wir Sein – für Hegel – auf diese Weise immer als Dasein betrachten, ist diese Form des Seins gerichtet. Es ist mit affirmativen und negativen Bestimmungen und Eigenschaften angefüllt, um sich von anderen Formen des Seins zu unterscheiden. Natürlich ist diese Wechselwirkung von einem Ding zu einem anderen komplex. Aus dieser Wechselbeziehung entstehen die Momente, was etwas an sich ist und was es für ein Anderes ist. Das Etwas, welches da ist,ist wie eine Wiese da, weil es endlich und veränderlich ist. Hegel will für seine Ontologie beweisen, dass sich alle Dinge im Widerspruch befinden und es deshalb zu einer unendlichen Verkörperung führen muss. Es geht um die Kategorie der Notwendigkeit, die vom Widerspruch angetrieben wird. Der Satz „Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit“ wird Hegel zugeschrieben. Vor allem von Engels und vielen Linkshegelianern wird auf diese Stelle in Hegels Werk Bezug genommen. Er hat diesen Satz allerdings so nicht aufgeschrieben. Es handelt sich dabei um ein ungenaues Zitat. Natürlich ist es nicht völlig falsch, Hegel auf diese Weise zu zitieren, beachtet man andere Stellen. Bestimmtes Etwas enthält immer seine Negation in sich und da dies nicht sein kann, geht es zu Grunde und wird etwas Neues. Der Widerspruch betrifft den Begriff. Taylor schreibt hierzu:

„Aber obwohl die Sprache des Selbstwiderspruchs sehr suggestiv ist, wird sie nicht durch einen strengen Beweis begründet.“

Hegel erarbeitet den Begriff der Unendlichkeit als etwas, was das ganze System der endlichen Dinge und ihrer Beziehung ist. Dieses Unendliche beinhaltet das Endliche, es ist mit ihm identisch und umfasst es als Ganzes. Das schlechte Unendliche stellt nun eine sinnlose Reihe endlicher Dinge dar, die immer wieder untergehen und ersetzt werden. Das positive Unendliche entsteht nun, wenn man erkennt, dass etwas, das ersetzt wird, durch etwas anderes ersetzt wird und eine Identität im Wechsel mit jenem bildet. Es ist das Erkennen der Identität im Unterschied. Wäre dem nicht so, würden wir anhand der unendlichen Fülle an Gegenständen und Erscheinungen in unserer Welt untergehen und nichts als etwas Gleiches zu etwas anderem erkennen. Es ist die Entdeckung der Idealität. Ein Vorgänger geht aufgrund der begrifflichen Notwendigkeit unter. Die gute Unendlichkeit ist eine Totalität, ein Ganzes, dessen Elemente sich aufeinander beziehen. Aus der PdG geht hervor, dass das Begriffspaar von Subjekt und Objekt überwunden wird, ohne für eine der beiden Seiten vollständig Partei zu ergreifen. Der Widerspruch entsteht aus dem Begriff, weil dies unser eigener innerer Maßstab ist, die Wirklichkeit zu begreifen. Taylor schreibt:

„Rechtfertigt Hegel nun die Behauptung, dass die Wirklichkeit an sich schon widersprüchlich ist? Beim Lesen der Logik wird das der Leser zu beurteilen haben. Ich glaube es nicht.“

Deshalb scheitert Hegels Logik nicht, es zeigt aber, wie andere wichtige philosophischen Positionen scheitern. Hegels Logik kann als Ansammlung von Gegenpositionen verstanden werden, obwohl die Argumentation eindrucksvoll ist und an vielen Punkten den Beweis nicht liefert. Die Formel, welche in der Logik dargestellt wird, ist innerstes Wesen bzw. Selbsterkenntnis des Geistes. Röttges stellt in seinem Buch die beiden Frontalpositionen dar, in denen die Diskussion um den Anfang der Philosophie bei Hegel steckengeblieben ist. Auf der einen Seite sind die Hegelgegner, welche ihrer Ansicht nach die methodologische Irrelevanz anführen, denn diese enthält die Unwissenschaftlichkeit des gesamten Systems. Während Vertreter der Dialektik den Begriff verschwommen darstellen, um diesen anzuerkennen, wie etwa als Polarität, Wechselwirkung oder Paradoxie. Gegen die Dialektiker wird wiederum geltend gemacht, dass diese sich durch die Relativierung des Satzes, vom zu vermeidenden Widerspruch, außerhalb aller argumentativen Auseinandersetzung und außerhalb aller Widerlegbarkeit begeben haben. Anhänger von Hegel würden einwenden, dass es unmöglich ist, Methode und Inhalt in den Verflechtungen zu trennen, da Spekulation die Selbstbewegung des Inhaltes ist.
Hegel kann die Frage erst am Ende der WdL beantworten:

„Die Allgemeinheit ist der reine, einfache Begriff, und die Methode als das Bewusstsein desselben weiß, dass die Allgemeinheit nur Moment und der Begriff in ihr noch nicht an und für sich bestimmt ist.“

Für Hegel gibt es kein Zurück hinter die Antinomien Kants. Die Gefahr bei einer Untersuchung der Methode Hegels wäre herauszufinden, dass Hegels Philosophie reine Reflexion und Relativierung wäre, der Fortgang wäre eine Negation aller Unterschiede. Möglicherweise ist es so, dass ein rein Unmittelbares für uns nicht denkbar ist, was nicht bedeutet, dass es kein Unmittelbares gibt. Röttges bezieht sich auf die Kritik, welche auch schon von Trendelenburg geäußert wurde, nämlich, dass die Selbstbewegung des Begriffes im Fortgang der Philosophie Hegels nicht funktioniert und damit steht und fällt der Wahrheitsanspruch der Hegelschen Philosophie. Zusammenfassend sagt Röttges, dass die Auffassung der bestimmten Begriffe der Hegelschen Logik als Kategorien und das Verständnis der Methode ihrer Fortbestimmung als rein logisch-gedankliche Reflexion nicht ausreicht, um den Hegelschen Anspruch der Methode der Selbstbestimmung des Begriffs durch seine Bestimmtheit begreiflich zu machen. Am Schluss seines Buches heißt es noch, dass es möglicherweise doch noch eine weitere Möglichkeit gibt, sich den Hegelschen Texten zu nähern, ohne auf die sich gegenüberstehenden Antithesen oder Aporien einzugehen. In anderen Worten: Man muss die These, die Substanz als Subjekt aufzufassen und zu begreifen, mit einbeziehen, sonst funktioniert das System nicht. Verschiedene Kreise, die sich gegenseitig zum Ausgangspunkt setzen und sich so implizieren und beweisen, sind häufige Motive in Hegels Denken. Doch das stimmt nicht ganz, wie man an der Figur des Endlichen und des setzenden Geistes bemerkt. Die Figuren sind sich oft nur ähnlich.

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