Tiere

Hegels Bezug zu Tieren?

Was sagt die Phänomenologie dazu?

Der selbstbewußte Geist, der aus dem gestaltlosen Wesen in sich gegangen oder seine Unmittelbarkeit zum Selbst überhaupt erhoben, bestimmt seine Einfachheit als eine Mannigfaltigkeit des Fürsichseins und ist die Religion der geistigen Wahrnehmung, worin er in die zahllose Vielheit schwächerer und kräftigerer, reicherer und ärmerer Geister zerfällt. Dieser Pantheismus, zunächst das ruhige Bestehen dieser Geisteratome, wird zur feindseligen Bewegung in sich selbst. Die Unschuld der Blumenreligion, die nur selbstlose Vorstellung des Selbsts ist, geht in den Ernst des kämpfenden Lebens, in die Schuld der Tierreligion, die Ruhe und Ohnmacht der anschauenden Individualität in das zerstörende Fürsichsein über. – Es hilft nichts, den Dingen der Wahrnehmung den Tod der Abstraktion genommen und sie zu Wesen geistiger Wahrnehmung erhoben zu haben; die Beseelung dieses Geisterreichs hat ihn durch die Bestimmtheit und die Negativität an ihr, die über die unschuldige Gleichgültigkeit derselben übergreift. Durch sie wird die Zerstreuung in die Mannigfaltigkeit der ruhigen Pflanzengestalten eine feindselige Bewegung, worin sich der Haß ihres Fürsichseins aufreibt. – Das wirkliche Selbstbewußtsein dieses zerstreuten Geistes ist eine Menge vereinzelter ungeselliger Völkergeister, die in ihrem Hasse sich auf den Tod bekämpfen und bestimmter Tiergestalten als ihres Wesens sich bewußt werden, denn sie sind nichts anderes als Tiergeister, sich absondernde, ihrer ohne Allgemeinheit bewußte Tierleben.

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Das Ende der Kunst

Ist das Ende der Kunst nah?

Ende der Kunst

Hat Hegel das Ende der Kunst vorausgesehen? Warum könnte dies geschehen? Ist Kunst nicht etwas menschliches und ewiges? Gerade vor dem Hintergrund moderner KI wie Googles Deep Dream wäre ein Ende des menschlichen Kunstgedankens fatal oder phänomenal zugleich. Lassen wir uns überraschen.

Arbeit

Vielen ist nicht bekannt, dass der Arbeitsbegriff bei Marx auf Hegel zurückgeht. Im subjektiven Geist werden die einzelnen menschlichen Kompetenzen in theoretische und praktische unterteilt. Die Intelligenz steht für die theoretischen Kompetenzen, während die einzelnen Handlungen dem Willen unterstehen. Als Philisoph der Freiheit ist klar, dass jede einzelne Stufe auf beiden Seiten abstrakter und losgelöster von der „Materie“ der Realität sein muss. So steht auf der praktischen Seite noch der Genuss gegenüber der direkten Vernichtung des Objektes, während der Trieb das Objekt zwar bewahrt es aber auf der reinen Ebene des Objektes betrachtet. Darüber steht die Neigung, welche Hegel gerne mit dem Beispiel von Antigone darstellt. Der Bürger jedoch, der sich vom Untertan auf diese Weise erhebt, dass er über die Neigungen reflektieren und abstrahieren kann, ist der Arbeit näher. Die Arbeit verformt die Realität hinterlässt aber auch Spuren im Bewusstsein der arbeitenden Person. So kann ich beispielsweise etwas über mich selber lernen, wenn ich ein Kunstwerk erschaffe, das Werk ist ein Teil von mir. Erst die Arbeit erschafft – bei Marx – Tauschwert oder Gebrauchswert und kann dann in den Konflikt von Individuum und Allgemeinheit eintreten. Der materialistische Waren –  Geld – Waren Fluss erzeugt dann möglicherweise Mehrwert, der durch die Kapitalisten, welche die Arbeiter dann nur ausbeuten würden, abgeschöpft wird. Sie werden von ihrer Arbeit in mehrfacher Hinsicht entfremdet. Aber der Arbeitsbegriff ist hegelianisch.

Der junge Hegel

Ebenso wie es Moden in der Kunst gibt, so gibt es auch Moden in der Philosophie. Kehrt man von Kant zu Hegel zurück, dann gibt es immer wieder die Beschäftigung mit dem jungen Hegel (Der junge Hegel).

Das interessante Argument daran: Man kann am Anfang den Philosophen besser verstehen, um sich seinen späteren komplexeren Gedanken besser nähern zu können. Kann hier ein Irrtum vorliegen? Ist vielleicht das Hauptwerk oder das berühmteste Werk nicht das Eingangstor zur Philosophie Hegels? In diesem Fall die Phänomenologie des Geistes (Phänomenologie des Geistes).

Renaissance 

Hegel und Kant scheinen sich philosophiegeschichtlich abzuwechseln. So scheint es, als ob Kant der Philosoph für beständige Argumente ist. Immerwährende Aussagen mit ganzheitlichem Charakter. Hegel ist der Philosoph der Bewegung, des Widerspruchs und der Verflüssigung. In unruhigen Zeiten scheint Kant für Stabilität zu stehen, während Hegel ein Vorreiter für Veränderung zu sein scheint: Wenn die Debatte zum Stillstand gekommen ist oder man eine neue Denkweise benötigt. Wir brauchen in unseren Tagen Hegel mehr als jemals zuvor.

Negative Dialektik

Gibt es nicht noch eine Möglichkeit mit Hilfe von Hegel gegen Hegel zu argumentieren? Nehmen wir als Beispiel die Möglichkeit an, Positionen in der modernen Gesellschaft mit Hilfe von einzelnen Begriffen zu beschreiben. Die Kritische Theorie würde beispielsweise Geburt und Stand beschreiben wollen oder Arbeit und Klasse. In einer Gesellschaft, in der ich hinein geboren werde, würde ich ein Leben lang zu einem bestimmten Stand gehören. In einer Welt der Arbeit würde mich erst meine Tätigkeit in eine spezifische Position, wie eine Art Arbeiter- oder Bildungsklasse, bestimmen. Was wäre jedoch, wenn wir in einer nachhaltigen Gesellschaft einen zentralen Begriff wie „Umwälzung“ als Positionsprinzip für Individuen platzieren müssten? Erst die Möglichkeit zur Erneuerung würde dann als ein zentrales Element erscheinen, welche den Folgegenerationen einen Entscheidungshorizont einräumt. Die „Umwälzung“ und nicht die Geburt oder meine Arbeit wären dann positionsbestimmend. Nachhaltigkeit wäre dann gegeben, wenn sich gesellschaftliche Ordnungen anhand der postulierten „Umwälzung“ anders denken lassen. Doch auch die „Umwälzung“ selber würde in einer Art Zirkelfigur die Methodik oder den Machtanspruch von gesellschaftlichen Positionen erneut umwerfen. Die durherrschende Macht wird selber durchbrochen. Und ist das nicht Dialektik gegen Dialektik oder Letzen Endes auch Hegel gegen Hegel?

 

Ansichsein, Fürsichsein, Anundfürsichsein

War das Ansich bei Kant noch das, was unerkannt im Verborgenen bleibt, etwa wie es wirklich ist, so ist es bei Hegel das, was an sich ist, etwas, was in seinem Begriff ist. Das Ansichsein ist Potenz und Anlage. Die drei Termini beziehen sich auf die Bewegung des Geistes. Ansichsein des Geistes ist aber auch dort, wo der Begriff als blind wirkender Telos in einem real Seienden aber unreflektierten Dasein ist. Dort, wo die Dinge Begriffe sind, diese aber noch nicht erreicht haben. Es scheint so, als wäre das Ansichsein das Unterbewusste. Fürsichsein hat die Bedeutung der Individuation, als alles Nicht-Ich ausschließende Negativität. Fürsichsein kann eine Pflanze, ein Tier oder ein Mensch sein, der sich in die Existenz entäußert. Gleichzeitig bedeutet Fürsichsein, auch ein sich selbst bewusster und reflektierter individueller Geist. Ansichsein und Fürsichsein sind unterschiedliche Momente der Substanz, wobei Fürsichsein schon in der entfalteten Bewegung ist. Die spekulative Einheit von Ansichsein und Fürsichsein ist für Hegel das Anundfürsichsein. Die Momente sind untrennbar miteinander verbunden. Das Anundfürsichsein ist das reine Selbstbewusstsein des Geistes. Der Quellpunkt menschlicher Freiheit ist der unterschiedene und gleichzeitig konkrete Begriff, der im Selbstbewusstsein des Menschen zu seinem vermittelten Anundfürsichsein gelangt.

Hegel rückwärts

Einige Arbeiten in der Hegelforschung und in der Sekundärliteratur beschäftigen sich mit dem Thema, Hegel „rückwärts“ zu lesen. Dies soll nicht als Scherz gemeint sein, auch wenn es in einigen Romanen sicher unter anderem auch als solcher verstanden werden will. Es ist eine Position, die von einer Art Endpunkt mit der Sicht des Absoluten versucht, das System und die Gedankengänge begreifbarer zu machen. Es scheint so, als wäre aus einem absoluten Standpunkt heraus immer eine Verdopplung bzw. ein Zerfallsmoment in Hegels System erkennbar.

Kernsätze

Vielleicht bringt es dieser Satz am besten auf Punkt:

„Die Isolierungs-Chance, die anderen Zitaten anhaftet (z.B. einem Nietzsche-Wort), fehlt beim Hegel-Zitat. Dies ist seine Originalität die Verbindung mit der Quelle, mit dem Zusammenhang.“

In der Sekundärliteratur ist oft versucht worden, bestimmte Schlagwörter, gedankliche Bilder oder Kernsätze nutzbar zu machen. Da ist die Rose im Kreuz oder die Eule der Minerva oder Ausdrücke wie: „Das Wahre ist das Ganze.“

Bereits bei diesem Zitat lohnt es sich mit Hilfe von Adorno zu reflektieren, denn auch das Ganze ist ein Moment seiner selbst.Im Denken trifft das Ganze wieder erneut auf sich selbst, deshalb ist dies kein Regress oder Rückbezugsverbot, sondern eine Art Zugang zu allem was ist und durch Begriffe ausgedrückt werden kann. Sicherlich ein Grund dafür, dass die PdG mit der sinnlichen Gewissheit beginnt, in welcher die programmatischen Konflikte zwischen Einheit und Vielheit, Individuum und Gesellschaft bereits vorhanden sind.

Nähert man sich einem anderen Kernsatz aus Rph, nämlich: „Das was Wirklich ist, ist auch Vernünftig“, dann stellt man auch dort fest, dass Hegel mit dem Wirklichen bei weitem nicht die Realität meint, denn für Hegel existiert noch die Erscheinung und das nicht nur in der Phänomenologie, wobei sie dort eine fundamentale Rolle spielt. Liest man weiter, wird auch an dieser Stelle ein Bezug zum Recht und zur Erscheinung verstanden. Auf diese Weise wird der mögliche Kernsatz erneut in den Kontext der Hegelschen Philosophie gestellt.

Idealistische Psychologie

Hegels Plan war es, eine idealistische Psychologie zu schreiben; dieses Buch wurde aber nie geschrieben. Im Kontext der Geschichte haben auch Schüler von ihm immer wieder versucht, eine „Pyschologie aus dem Begriff“ zu schreiben, jedoch hat sich dieser Ansatz nie durchgesetzt.

Im Zuge der Entstehung des gesamten Systems Hegels, kam es immer wieder zu Umarbeiten und Veränderungen. Zunächst wurden einige religiöse Texte und sogenannte Positionierungsschriften geschrieben, wie die berühmte Differenzschrift.

In dieser Schrift waren bereits viele Ideen und Standpunkte der PdG vorgezeichnet. Es folgt das hervorragende Werk der Phänomenologie des Geistes. Ein Buch, welches eine magische Anziehungskraft ausübt und sich am besten mit folgendem Gedanken beschreiben lässt: Es sind kleine Drehbücher, die auf eine ungewöhnliche Weise ineinander greifen. Der Titel des Buches

sollte eigentlich einmal „Erfahrung des Bewusstseins“ lauten. Und ebenso wie die Schwierigkeit eine Einleitung oder Einführung in das System Hegels zu schreiben, ist es mit dem System selbst. So ist die Einleitung zur PdG eine Form der Einführung, man kann die PdG selbst als die große Einführung in Hegels spekulatives System betrachten und ebenso auch die Wissenschaft der Logik. So beginnt dort alles beim Sein, welches in seiner Reinheit noch keine Form von Bezug hat und so zum Nichts wird. Erst das Werden verbindet dann das gerichtete, konkret gefüllte Dasein mit dem Nichts und so entsteht aus keiner schlechten Form der Unendlichkeit nun das gesamte System. Wir haben aus heutiger Sicht in der Tat den Vorteil auf mehrere mögliche Einführungen in das System zurückzublicken.

Man kann den Einwand vorbringen, Hegel würde lediglich üben, denn erst in seinem späteren Werk sind die Methode der Spekulation sowie seine Gedanken zu Gesellschaft und Geschichte in Vollendung gebracht worden. Es scheint so, als ob in der Verflechtung von Intelligenz und Wille, der Wille in den Grundzügen der Philosophie des Rechtes einen Vorrang erhält, während der Teil, welcher einmal Psychologie werden sollte, in den Hintergrund rückt und manchmal als der schwächste Teil in Hegels System gelten soll. In der EdW ist die Phänomenologie neben der Psychologie und der Anthropologie auf ein Zwanzigstel seiner Ursprungsgröße geschrumpft. Behandelt die Anthropologie noch die Seele, die mit dem Wirken des Geistes noch stark an die Natur gekoppelt ist, so löst diese sich in der Phänomenologie stärker von der Natur ab. Das Scheitern der Erfahrung des Bewusstseins schwingt sich bis zum Selbstbewusstsein empor, sogar noch zur Intersubjektivität, die im Ursprungswerk noch Beispiele aus der Geschichte enthält. Die Psychologie hat als Inhalt den Geist und an dieser Stelle des Systems handelt von den einzelnen Kompetenzen. In späteren Schriften wird die Phänomenologie fast ganz verschwinden.

Ist der große Philosoph selbst niemals dazu gekommen, eine vollständig ausgearbeitete Psychologie des Geistes zu schreiben? War sein Hauptaugenmerk auf andere Themen gerichtet, die ihm wichtiger erschienen? Ist die Aufgabe eine Psychologie des Begriffs zu gewinnen zu schwer, als das diese in Angriff genommen werden konnte? Ich denke, dass Hegel die Ausarbeitung des Willens in eine Philosophie des Rechts und seine weiteren Schriften in der Tat als wichtiger oder wirkungsvoller erschienen. Allgemein ist zu beachten, dass die großen Psychologen fast nichts zu Hegel geäußert haben. Freud selbst nennt Hegels Texte dunkel und gibt zu, die Texte auch fast nur in Sekundärquellen studiert zu haben. Jung lehnt Hegel nach kurzer Beschäftigung ab. Karl Bühler möchte die Gliederung Hegels in Anthropologie, Phänomenologie und Psychologie übernehmen und zu einem begreifenden Ganzen zusammenfassen. Wilhelm Wundt wirft Hegel vor, die wahre durch eine phantastische Wirklichkeit zu ersetzen, da Hegel das Ding an sich oder die eigentliche Realität wegwirft. Hegels Psychologie ist nach Wundt völlig fruchtlos und er schreibt dazu:

„In dieser Bestand die Leistung der neuen Philosophie lediglich in einer Einordnung der alten Vermögensbegriffe in die Schablone einer dreigliedrigen, gekünstelten Dialektik. Eigentlich glänzt die Psychologie durch ihre Abwesenheit. Die Vermögenspsychologie hätte doch wenigstens bei den einzelnen Vermögen, Beschreibungen einiger komplexer Erscheinungen zu geben, versucht.“

Die Dreigliederung des Geistes kann bei fünf Sinnen oder einer Vielzahl von Eigenschaften in Kritik geraten, allerdings nur dann, wenn man dies als reinen Zahlenformalismus versteht und nicht wie Hegel als spekulative Methode eines Aufeinandertreffens der verschiedenen Positionen, die sich durch ihre Aufhebung reflexiv verhalten.