Negative Dialektik

Gibt es nicht noch eine Möglichkeit mit Hilfe von Hegel gegen Hegel zu argumentieren? Nehmen wir als Beispiel die Möglichkeit an, Positionen in der modernen Gesellschaft mit Hilfe von einzelnen Begriffen zu beschreiben. Die Kritische Theorie würde beispielsweise Geburt und Stand beschreiben wollen oder Arbeit und Klasse. In einer Gesellschaft, in der ich hinein geboren werde, würde ich ein Leben lang zu einem bestimmten Stand gehören. In einer Welt der Arbeit würde mich erst meine Tätigkeit in eine spezifische Position, wie eine Art Arbeiter- oder Bildungsklasse, bestimmen. Was wäre jedoch, wenn wir in einer nachhaltigen Gesellschaft einen zentralen Begriff wie „Umwälzung“ als Positionsprinzip für Individuen platzieren müssten? Erst die Möglichkeit zur Erneuerung würde dann als ein zentrales Element erscheinen, welche den Folgegenerationen einen Entscheidungshorizont einräumt. Die „Umwälzung“ und nicht die Geburt oder meine Arbeit wären dann positionsbestimmend. Nachhaltigkeit wäre dann gegeben, wenn sich gesellschaftliche Ordnungen anhand der postulierten „Umwälzung“ anders denken lassen. Doch auch die „Umwälzung“ selber würde in einer Art Zirkelfigur die Methodik oder den Machtanspruch von gesellschaftlichen Positionen erneut umwerfen. Die durherrschende Macht wird selber durchbrochen. Und ist das nicht Dialektik gegen Dialektik oder Letzen Endes auch Hegel gegen Hegel?

 

Ansichsein, Fürsichsein, Anundfürsichsein

War das Ansich bei Kant noch das, was unerkannt im Verborgenen bleibt, etwa wie es wirklich ist, so ist es bei Hegel das, was an sich ist, etwas, was in seinem Begriff ist. Das Ansichsein ist Potenz und Anlage. Die drei Termini beziehen sich auf die Bewegung des Geistes. Ansichsein des Geistes ist aber auch dort, wo der Begriff als blind wirkender Telos in einem real Seienden aber unreflektierten Dasein ist. Dort, wo die Dinge Begriffe sind, diese aber noch nicht erreicht haben. Es scheint so, als wäre das Ansichsein das Unterbewusste. Fürsichsein hat die Bedeutung der Individuation, als alles Nicht-Ich ausschließende Negativität. Fürsichsein kann eine Pflanze, ein Tier oder ein Mensch sein, der sich in die Existenz entäußert. Gleichzeitig bedeutet Fürsichsein, auch ein sich selbst bewusster und reflektierter individueller Geist. Ansichsein und Fürsichsein sind unterschiedliche Momente der Substanz, wobei Fürsichsein schon in der entfalteten Bewegung ist. Die spekulative Einheit von Ansichsein und Fürsichsein ist für Hegel das Anundfürsichsein. Die Momente sind untrennbar miteinander verbunden. Das Anundfürsichsein ist das reine Selbstbewusstsein des Geistes. Der Quellpunkt menschlicher Freiheit ist der unterschiedene und gleichzeitig konkrete Begriff, der im Selbstbewusstsein des Menschen zu seinem vermittelten Anundfürsichsein gelangt.

Hegel rückwärts

Einige Arbeiten in der Hegelforschung und in der Sekundärliteratur beschäftigen sich mit dem Thema, Hegel „rückwärts“ zu lesen. Dies soll nicht als Scherz gemeint sein, auch wenn es in einigen Romanen sicher unter anderem auch als solcher verstanden werden will. Es ist eine Position, die von einer Art Endpunkt mit der Sicht des Absoluten versucht, das System und die Gedankengänge begreifbarer zu machen. Es scheint so, als wäre aus einem absoluten Standpunkt heraus immer eine Verdopplung bzw. ein Zerfallsmoment in Hegels System erkennbar.

Kernsätze

Vielleicht bringt es dieser Satz am besten auf Punkt:

„Die Isolierungs-Chance, die anderen Zitaten anhaftet (z.B. einem Nietzsche-Wort), fehlt beim Hegel-Zitat. Dies ist seine Originalität die Verbindung mit der Quelle, mit dem Zusammenhang.“

In der Sekundärliteratur ist oft versucht worden, bestimmte Schlagwörter, gedankliche Bilder oder Kernsätze nutzbar zu machen. Da ist die Rose im Kreuz oder die Eule der Minerva oder Ausdrücke wie: „Das Wahre ist das Ganze.“

Bereits bei diesem Zitat lohnt es sich mit Hilfe von Adorno zu reflektieren, denn auch das Ganze ist ein Moment seiner selbst.Im Denken trifft das Ganze wieder erneut auf sich selbst, deshalb ist dies kein Regress oder Rückbezugsverbot, sondern eine Art Zugang zu allem was ist und durch Begriffe ausgedrückt werden kann. Sicherlich ein Grund dafür, dass die PdG mit der sinnlichen Gewissheit beginnt, in welcher die programmatischen Konflikte zwischen Einheit und Vielheit, Individuum und Gesellschaft bereits vorhanden sind.

Nähert man sich einem anderen Kernsatz aus Rph, nämlich: „Das was Wirklich ist, ist auch Vernünftig“, dann stellt man auch dort fest, dass Hegel mit dem Wirklichen bei weitem nicht die Realität meint, denn für Hegel existiert noch die Erscheinung und das nicht nur in der Phänomenologie, wobei sie dort eine fundamentale Rolle spielt. Liest man weiter, wird auch an dieser Stelle ein Bezug zum Recht und zur Erscheinung verstanden. Auf diese Weise wird der mögliche Kernsatz erneut in den Kontext der Hegelschen Philosophie gestellt.

Idealistische Psychologie

Hegels Plan war es, eine idealistische Psychologie zu schreiben; dieses Buch wurde aber nie geschrieben. Im Kontext der Geschichte haben auch Schüler von ihm immer wieder versucht, eine „Pyschologie aus dem Begriff“ zu schreiben, jedoch hat sich dieser Ansatz nie durchgesetzt.

Im Zuge der Entstehung des gesamten Systems Hegels, kam es immer wieder zu Umarbeiten und Veränderungen. Zunächst wurden einige religiöse Texte und sogenannte Positionierungsschriften geschrieben, wie die berühmte Differenzschrift.

In dieser Schrift waren bereits viele Ideen und Standpunkte der PdG vorgezeichnet. Es folgt das hervorragende Werk der Phänomenologie des Geistes. Ein Buch, welches eine magische Anziehungskraft ausübt und sich am besten mit folgendem Gedanken beschreiben lässt: Es sind kleine Drehbücher, die auf eine ungewöhnliche Weise ineinander greifen. Der Titel des Buches

sollte eigentlich einmal „Erfahrung des Bewusstseins“ lauten. Und ebenso wie die Schwierigkeit eine Einleitung oder Einführung in das System Hegels zu schreiben, ist es mit dem System selbst. So ist die Einleitung zur PdG eine Form der Einführung, man kann die PdG selbst als die große Einführung in Hegels spekulatives System betrachten und ebenso auch die Wissenschaft der Logik. So beginnt dort alles beim Sein, welches in seiner Reinheit noch keine Form von Bezug hat und so zum Nichts wird. Erst das Werden verbindet dann das gerichtete, konkret gefüllte Dasein mit dem Nichts und so entsteht aus keiner schlechten Form der Unendlichkeit nun das gesamte System. Wir haben aus heutiger Sicht in der Tat den Vorteil auf mehrere mögliche Einführungen in das System zurückzublicken.

Man kann den Einwand vorbringen, Hegel würde lediglich üben, denn erst in seinem späteren Werk sind die Methode der Spekulation sowie seine Gedanken zu Gesellschaft und Geschichte in Vollendung gebracht worden. Es scheint so, als ob in der Verflechtung von Intelligenz und Wille, der Wille in den Grundzügen der Philosophie des Rechtes einen Vorrang erhält, während der Teil, welcher einmal Psychologie werden sollte, in den Hintergrund rückt und manchmal als der schwächste Teil in Hegels System gelten soll. In der EdW ist die Phänomenologie neben der Psychologie und der Anthropologie auf ein Zwanzigstel seiner Ursprungsgröße geschrumpft. Behandelt die Anthropologie noch die Seele, die mit dem Wirken des Geistes noch stark an die Natur gekoppelt ist, so löst diese sich in der Phänomenologie stärker von der Natur ab. Das Scheitern der Erfahrung des Bewusstseins schwingt sich bis zum Selbstbewusstsein empor, sogar noch zur Intersubjektivität, die im Ursprungswerk noch Beispiele aus der Geschichte enthält. Die Psychologie hat als Inhalt den Geist und an dieser Stelle des Systems handelt von den einzelnen Kompetenzen. In späteren Schriften wird die Phänomenologie fast ganz verschwinden.

Ist der große Philosoph selbst niemals dazu gekommen, eine vollständig ausgearbeitete Psychologie des Geistes zu schreiben? War sein Hauptaugenmerk auf andere Themen gerichtet, die ihm wichtiger erschienen? Ist die Aufgabe eine Psychologie des Begriffs zu gewinnen zu schwer, als das diese in Angriff genommen werden konnte? Ich denke, dass Hegel die Ausarbeitung des Willens in eine Philosophie des Rechts und seine weiteren Schriften in der Tat als wichtiger oder wirkungsvoller erschienen. Allgemein ist zu beachten, dass die großen Psychologen fast nichts zu Hegel geäußert haben. Freud selbst nennt Hegels Texte dunkel und gibt zu, die Texte auch fast nur in Sekundärquellen studiert zu haben. Jung lehnt Hegel nach kurzer Beschäftigung ab. Karl Bühler möchte die Gliederung Hegels in Anthropologie, Phänomenologie und Psychologie übernehmen und zu einem begreifenden Ganzen zusammenfassen. Wilhelm Wundt wirft Hegel vor, die wahre durch eine phantastische Wirklichkeit zu ersetzen, da Hegel das Ding an sich oder die eigentliche Realität wegwirft. Hegels Psychologie ist nach Wundt völlig fruchtlos und er schreibt dazu:

„In dieser Bestand die Leistung der neuen Philosophie lediglich in einer Einordnung der alten Vermögensbegriffe in die Schablone einer dreigliedrigen, gekünstelten Dialektik. Eigentlich glänzt die Psychologie durch ihre Abwesenheit. Die Vermögenspsychologie hätte doch wenigstens bei den einzelnen Vermögen, Beschreibungen einiger komplexer Erscheinungen zu geben, versucht.“

Die Dreigliederung des Geistes kann bei fünf Sinnen oder einer Vielzahl von Eigenschaften in Kritik geraten, allerdings nur dann, wenn man dies als reinen Zahlenformalismus versteht und nicht wie Hegel als spekulative Methode eines Aufeinandertreffens der verschiedenen Positionen, die sich durch ihre Aufhebung reflexiv verhalten.

Langsamkeit

Begriffe wie Symbol, Zeichen, Bedeutung, Bild kommen erst in den Vorlesungen über die Ästhetik zu ihrer vollen Entfaltung. Im Abschnitt 7 über „Die Entwicklung des Ideals zu den besonderen Formen des Kunstschönen“ existieren neben der symbolischen noch die klassische und die romantische Kunstform. In der symbolischen Kunstform gibt es einen Abschnitt mit dem Namen: „Die bewusstSymbolik der vergleichenden Kunstform“. Dort unterscheidet Hegel zwischen „Vergleichungen welche vom Äußerlichen anfangen“, zu denen Fabel, Parabel, Sprichwort, Apolog und sogenannte Verwandlungen gehören, „Vergleichungen, welche in der Verbildlichung mit der Bedeutung den Anfang machen“ und denkt über das „Verschwinden der symbolischen Kunstform“ nach. Gemessen an Hegels Psychologie der Intelligenz sind die Momente, nämlich das Rätsel, die Allegorie sowie Metapher, Bild und Gleichnis auf einer höheren Stufe anzusehen, da sich diese schon von der Äußerlichkeit gelöst haben. Der Grad der Abstraktion und der Reflexivität ist hier höher. Hegel macht dies mit Hilfe des Dreiklangs seiner Logik und später auch mit dem Moment des Verweilens deutlich, worum es ihm geht. Meiner Ansicht nach ist gerade der Begriff des Verweiltseins Aufruf zum langsamen und nicht automatischen Denken von System.

Es beginnt mit der immer wiederkehrenden Logik von Ansich, Fürsich und Anundfürsich. Im Ansich ist das Symbol noch das Rätsel, da es ansich schon rätselhaft ist. Hegel macht auch klar, dass für ihn die Künste fremder Kulturen wie Indien, ihn vor eine Aufgabe stellen, da es für ihn nicht einfach ist, die Bedeutung dieser Kultur freizulegen. Doch das Rätsel ist noch dem Zweifel unterworfen, welche Gestalt denn nun für das Symbol genommen werden müsse. Der Erfinder des Rätsels legt mit der zusammenhanglosen Aneinanderreihung neben der Bedeutung noch mehr in das Rätsel hinein. Die Bedeutung muss dann vom Ratenden aus der Verwirrung gelöst werden. Eine zusätzliche Bedeutung erscheint dadurch nicht, es handelte sich lediglich um ein bewusstes Verbergen und Wiederauffinden.

Die Allegorie steht nun dem Rätsel entgegengesetzt und erstrebt äußerliche Klarheit. Eigenschaften aus der natürlichen Welt, wie etwa die Liebe werden vermenschlicht bzw. als Subjekt aufgefasst. Nun muss die Allegorie allerdings, um ihr Ziel zu erreichen, sämtliche bestimmte Individualität bzw. Subjektivität aushöhlen, um ihre Bedeutung zu erreichen. Eine Sense, die den Tod repräsentiert, trennt diese als besonderes Moment von der Allgemeinheit des Todes und hat in ihrer Bestimmtheit lediglich den Gehalt eines Attributes. Dies mache eine „Frostigkeit“ der Allegorie aus. Die Kraft der sich selbst auf sich beziehenden Einheit ist verloren gegangen. Die Allegorie macht die Klarheit ihrer Bedeutung zum allherrschenden Zweck. Nun geht es im dritten Kreis“ um das Bildliche überhaupt, welches sich durch Metapher, Bild und Gleichnis ausdrückt:

„Das Bildliche nun verbindet diese Deutlichkeit des Allegorischen mit

jener Lust des Rätsels. “

Die Bedeutung erscheint für uns sofort und in einer Direktheit, dass man sie nicht mehr zu entziffern braucht. Die Metapher hat nun eine Bedeutung und ein Bild, diese wird aber durch ein „wie“ miteinander verbunden, sie ist für Hegel noch nicht gesetzt. Die Metapher nennt nur das Bild. Die Metapher „Ein See von Tränen“ kann noch als rein äußerlicher Ausdruck auftreten. Sprache hat nun für Hegel selbst schon eine Menge an Metaphern. Durch Gewohnheit im Gebrauch wird die Metapher schon im Bild zu ihrer Bedeutung. Niemand denkt noch bei dem Wort „begreifen“ an eine Hand. Erst die poetische Phantasie kann neue Metaphern erfinden. Der Sinn der Metapher ist:

Das Lebhafte besteht in der Anschaulichkeit als bestimmter Vorstellbarkeit,

welche das immer allgemeine Wort seiner bloßen Unbestimmtheit

enthebt und durch Bildlichkeit versinnlicht.

Als Moment der Verstärkung, als erste Schritte zur Flucht aus der Äußerlichkeit und die Lust zur Phantasie macht die Metapher lebendig. Das Bild steht nun zwischen Metapher und Gleichnis und sondert sich in seinem Fürsichsein, als konkrete Existenz auf die geistige Seite ab. Das Bild kann einen ganzen Verlauf aus Zuständen, Tätigkeiten, Hervorbringungen zur Bedeutung haben, ohne diese zur Sprache bringen zu müssen. Genau hier ist meiner Meinung nach eine Beschreibung für das Bildhafte und sofort in unseren Köpfen auftretende Bildlichkeit von System 1 gemeint. Der Inhalt des Bildes ist hier ein Subjekt, welches verbildlicht. Es geht sogar soweit, dass das Bild eine selbstständige Existenz haben kann. Das Gleichnis kann nun die Abstraktion der Bedeutung zum Ausdruck bringen. Im Gleichnis sind nun Bild und Bedeutung vorhanden und aufgrund ihrer Ähnlichkeit aufeinander bezogen. Auf diese Weise ist das Gleichnis eine Wiederholung bzw. ein langweiliger Überfluss. Das Gleichnis kann jetzt die Bedeutungen mannigfaltig zusammenbinden und für den Geist freilegen und zwar in seiner abstrakten Allgemeinheit, was den äußeren Zusammenhängen noch fernliegt. Mit Hilfe einer schwelgerischen Einbildungskraft gelingt ein Witz, der noch etwas Geistreiches hat und eben mehr als ein Witz ist. Und an genau dieser Stelle kann man etwas für das System 2 nach Kahnemann (Schnelles Denken, Langsames Denken) Interessantes finden:

„Näher aber zweitens sind die Vergleichungen ein Verweilen bei ein und

demselben Gegenstande, der dadurch zum substantiellen Mittelpunkte

von einer Reihe anderer entfernter Vorstellungen gemacht wird, durch

deren Andeutung oder Ausmalung das größere Interesse für den verglichenen

Inhalt objektiv wird.“

Diese Definition ist ein entfernter Verwandter dessen, was man aus der Theologie kennt. In der Bibel stehen Gleichnisse, damit wir uns an ihnen abarbeiten können. Das große Konzept, nämlich die Substanz zum Subjekt zu machen, ist auch hier erkennbar. Erst durch das Verweilen im Gleichnis werden mit Ruhe und Muße Gedanken freigelegt, die vielleicht sonst nicht zum Vorschein gekommen wären. Es ist eine Einladung zur Langsamkeit. Denn das Verweilen durch das Gleichnis kann nach Hegel mehrere Gründe haben:

  1. Hegel nennt das Sichvertiefen.

Der Schlüssel ist die Empfindung und man kann Hegels schönes Beispiel mit der Liebe genauso lesen. Der Liebende vertieft sich gedanklich ganz und gar in einzelne Teile der geliebten Person, wie Mund, Nase usw. und findet dann, dass es etwas generell Schönes oder Schmerzliches an anderen Mündern und Nasen gibt. Alle anderen Körperteile werden plötzlich herangezogen und unter neuem Licht betrachtet. Der Grad der Mannigfaltigkeit ist hier noch sehr niedrig, da es einzelne, sinnliche Teile sind, die uns zum Reflektieren anregen.

  1. Hegel nennt die epischen Gleichnisse.

Dort geht es einem Dichter wie Homer darum, uns die Ruhe zu geben, welche die geistigen Werke wie Skulpturen vor uns erschaffen. Hegel sagt dann noch etwas sehr Interessantes über das Verweilen im Sinne von Wichtigkeit und Hervorhebung:

„Andererseits hat das Verweilen bei Gleichnissen den weiteren Sinn,

einen bestimmten Gegenstand durch dies gleichsam doppelte Schildern

als wichtig auszuzeichnen und nicht nur flüchtig mit dem Strom des

Gesanges und der Begebenheiten fortrauschen zu lassen. “

Für Gleichnisse sei noch das Drama wichtig, welches Individuen beschreibt, die einempraktischen Zwecke folgen und sich von den Begebenheiten lösen können. Hegel nennt hier die wichtigen Verflechtungen zwischen dem Befreien des Individuums vom Schmerz, als Befreiung der Einheit mit dem Schmerz und die Ruhe bzw. Fassung des Charakters mit sich selbst. An dieser Stelle kann man als Pate für die Langsamkeit auch das mühevolle Denken oder die Reflexion sehen, allerdings wollte ich in diesem Abschnitt explizit eine Möglichkeit bieten, die sich direkt mit einer Form des langsamen Denkens beschäftigt, auch wenn der Einwand berechtigt ist, dass die Ästhetik zunächst weiter von der Position des Selbstbewusstseins entfernt ist als die entsprechenden berühmten Teile des Werkes.

Faulheit

Hegel hat in seinen Texten zu Grundlinien der Philosophie des Rechts Ansätze zu einer Theorie der Faulheit aufgeschrieben. Es heißt, dass der Pöbel arbeitsscheu wird, da er die Ehre nicht hat, seine Subsistenz durch Arbeit zu finden. Die Gewohnheit der Arbeit würde verschwinden und das Bedürfnis der Arbeitsamkeit verschwindet. Die Aussagen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Zuerst geht die Gewohnheit zu arbeiten verloren. Auf diese Weise steht der Pöbel der Selbstverwirklichung des Geistes entgegen, die praktische Bildung der Arbeit und die Praxis verschwindet. Bildung bedeutet für Hegel auch immer, durch Zucht lernen und gewöhnt werden. Denn erst durch die Tätigkeit entsteht Bildung und diese Bildung ist Bildung von Gewohnheit an Tätigkeit überhaupt, eine Gewohnheit die im Vermittlungszusammenhang steht. Damit verbindet diese auch auf einer höheren Stufe die Institutionen miteinander.

Der Körper ist nicht länger ein feindliches Wesen, das gegen mich aufständisch ist, vielmehr findet er sich von der Seele durchdrungen und wird ihr Instrument, aber zur gleichen Zeit ist der Körper als solcher gedacht, der Körper wird zu etwas Flüssigem und das Denken drückt sich in ihm aus, ohne das Bewusstsein oder die Reflexion einzusetzen. Die Gewohnheit hat etwas Verallgemeinerndes und sich zu eigen Machendes. So kann ich durch die Gewohnheit verallgemeinern und mich selbst entlasten, da ich nicht mehr im Einzelnen gefangen bin und auf diese Weise frei werde. Die Quelle des Pöbels ist Faulheit und Gesinnung. In der Rechtsphilosophie gibt es verschiedene Stellen, die sich mit Faulheit und der Fäulnis beschäftigen (Zitate aus den Grundlinien der Philosophie des Rechtes):

 

„Ein Leib ist z.B. die Realität, die Seele der Begriff. Seele und Leib sollen

sich aber angemessen sein; ein toter Mensch ist daher noch eine Existenz,

aber keine wahrhafte mehr, ein begriffloses Dasein: deswegen verfault

der tote Körper. “

 

Verfaulen ist das Resultat eines nicht länger wahrhaften Verhältnis zwischen Begriff und Realität. Der Pöbel ist auf dieseWeise keine wahrhafte Existenz im Staat. Die Gewohnheit des Pöbels wird zu einer rein mechanischen Gewohnheit, immer das gleiche zu tun. Ferner „vom Körper abgerissen, verfault die Hand“, da die Hand nicht mehr in einem richtigen Verhältnis zum Körper steht, kein Glied des Organismus mehr ist. Fäulnis und Verfaulen treten ein, wenn die Hand oder die Realität vom Begriff abgerissen werden. Dennoch bleibt der Organismus immer noch ein Organismus, so heißt es:

 

„Aber der hässlichste Mensch, der Verbrecher, ein Kranker und ein

Krüppel ist immer noch ein lebendiger Mensch; das Affirmative, das

Leben, besteht trotz des Mangels, und um dieses Affirmative ist es hier

zu tun.“

 

Bloße Wiederholung produziert Unorganisches und dieses Unorganische, welches diesen Kampf auf diese Weise nicht bestehen kann, wird verfaulen, denn der Mensch

stirbt auch aus Gewohnheit […], denn tätig ist der Mensch nur, insofern

er etwas nicht erreicht hat und sich in Beziehung darauf produzieren

und geltend machen will. Reine mechanischeWiederholung wird

zum Unorganischen und droht zu verfaulen, bzw. als Ganzes, Gruppe

etc. abgetrennt zu werden.

 

Der politische Körper soll sich in keinem Moment als unorganische Menge zeigen. Anstrengung im Allgemeinen lassen sich bei Hegel in den aktiven Positionen der Rechtsphilosophie lesen. Über die Trägheit des Willens schreibt Hegel:

 

„Ein Wille der nichts beschliesst, ist kein willkürlicher Wille; der Charakterlose

kommt nie zum Beschliessen […] Ein solches Gemüt ist ein

totes, wenn es auch ein schönes sein will. […] Durch das Beschliessen

allein tritt der Mensch in die Wirklichkeit, so sauer es ihm auch wird,

denn die Tätigkeit will aus dem Brüten in sich nicht hinausgehen, in

der sie sich eine allgemeine Möglichkeit beibehält. Aber Möglichkeit ist

noch nicht Wirklichkeit.“

 

Der trägeWille ist zwar frei, will aber noch nicht zur Unterscheidung zum Setzen oder zu Bestimmungen gelangen. Der träge Wille hat Möglichkeiten, realisiert diese aber nicht, eine Form von Faulheit bei Hegel. Abschließend halte ich fest: Faulheit tritt in Verbindung mit einer mechanischen Gewohnheit auf, die noch nicht im Stande ist, einzelne Möglichkeiten oder Unterschiede zu setzen. Die Gewohnheit als eine der befreienden Kompetenzen, die in der EdW noch in der Anthropologie vorkommen, wird ohne die Fähigkeit der Durchdringung lediglich wiederholend und träge, sie trennt sich vom Ganzen und verfault. Der Mensch will sich produzieren und sich weiterentwickeln.

Anschluss an Hegel

Neben der Schwierigkeit einer Einführung in Hegels System, existiert die Meinung, dass seine Philosophie unbeerbar und akademisch wäre. Dennoch existiert eine ganze Bandbreite an Anschlussmöglichkeiten.

Neben solchen methodischen Anschlüssen, wie dem sogenannten Post-Hegelianismus, dem Jung-Hegelianismus sowie dem Links- und Rechtshegelianismus existieren auch Texte, die man durchaus in katholisch, evangelisch, restaurativ, faschistisch, marxistisch, revolutionär und viele weitere Richtungen einteilen kann. Dabei scheint es auffällig, dass es niemals an Aktualität des Hegelschen Denkens mangelt, es scheint sogar so, als wäre Hegel in der Tat der Philosoph, welcher auf Umwegen immer wieder in unser Denken Einzug hält. In besonderer Weise scheint die Hegelkritik dazu beigetragen zu haben, Hegel immer wieder erneut, sogar mit neuen Lesearten, hervorzuholen.

Beyer bringt es auf den Punkt:

Die Isolierungs-Chance, die anderen Zitaten anhaftet (z.B. einem Nietzsche-Wort), fehlt beim Hegel-Zitat. Dies ist seine Originalität die Verbindung mit der Quelle, mit dem Zusammenhang.

In der Sekundärliteratur ist oft versucht worden, bestimmte Schlagwörter, gedankliche Bilder oder Kernsätze nutzbar zu machen. Da ist die Rose im Kreuz oder die Eule der Minerva oder Ausdrücke wie:„Das Wahre ist das Ganze.“ Bereits bei diesem Zitat lohnt es sich mit Hilfe von Adorno zu reflektieren, denn auch das Ganze ist ein Moment seiner selbst.Im Denken trifft das Ganze wieder erneut auf sich selbst, deshalb ist dies kein Regress oder Rückbezugsverbot, sondern eine Art Zugang zu allem was ist und durch Begriffe ausgedrückt werden kann. Sicherlich ein Grund dafür, dass die PdG mit der sinnlichen Gewissheit beginnt, in welcher die programmatischen Konflikte zwischen Einheit und Vielheit, Individuum und Gesellschaft bereits vorhanden sind. Nähert man sich einem anderen Kernsatz aus Rph, nämlich: „Das was Wirklich ist, ist auch Vernünftig“, dann stellt man auch dort fest, dass Hegel mit dem Wirklichen bei weitem nicht die Realität meint, denn für Hegel existiert noch die Erscheinung und das nicht nur in der Phänomenologie, wobei sie dort eine fundamentale Rolle spielt. Liest man weiter, wird auch an dieser Stelle ein Bezug zum Recht und zur Erscheinung verstanden. Auf diese Weise wird der mögliche Kernsatz erneut in den Kontext der Hegelschen Philosophie gestellt.

 

 

Methodenkritik

Es ist hochwahrscheinlich, dass die Methode bestimmter Negation allein nicht ausreicht, ein in sich geschlossenes System des Wissens aufzubauen. In diesem Satz könnte jetzt die gesamte Methodenkritik münden und man könnte sogar behaupten, ein Vergleich mit Hilfe der Anwendung von Hegels System sei nicht weiter von Bedeutung. In diesem Fall kann man nach dem Gödel – Theorem auch nicht notwendigerweise Mathematik mit dem Ziel der Vollständigkeit betreiben. Die Wahrheit liegt wie so oft in den Grundannahmen eines Modells, eines Systems oder eines Regelwerks. So sind es Axiome in der Mathematik, dogmatische Sätze in den meisten Religionen und bei Hegel bestimmte Programme, die sein Denken anführen, damit das sogenannte Ganze auch mit der Wahrheit in gleichem Maße stehen kann. Man wird an dieser Stelle den folgenden trivialen Satz ab nicken können: Ein System hängt immer von seinem unterliegenden Regelwerk und den Grundannahmen ab. Doch sind wir uns des vollen Umfangs dieses Satzes bewusst? Ändert man die sogenannten Körperaxiome in der Mathematik, wird man eine vollständig andere Wissenschaft als die traditionelle Mathematik erhalten. Was ist mit der Verflüssigung aller Denkinhalte bei Hegel? Nach Adorno ist die Beziehung zu dem sich bewegten Gegenstand, der sich auch selbst bewegend eine der zentralen Lehren der Hegelschen Phänomenologie. Nach Hegel folgt die List der Vernunft dem Programm des berühmten Satzes, das Wirkliche auch als Vernünftiges zu erkennen. Wird dieser Aspekt der Bewegung konsequent in allen Formen zu Ende gedacht? Ist es nicht ein schier unendliches und vielfaches Verlieren des Bodens unter den Füßen? Beginnt man wie Descartes, dem Anfänger der Philosophie, mit dem Zweifel an allem, verliert man sich mit so einer Technik des Hinterfragens in allem? Bereits Taylor stellt einige Bruchstellen in seinem Werk, der „Phänomenologie des Geistes“, im Folgenden PdG genannt, fest, wenn er die Übergänge einzelner Abschnitte und Kapitel betrachtet. So gibt es Übergänge der PdG, die in einigen Abschnitten bereits längst vollzogen wurden, in einem neuen Kapitel jedoch wieder erneut aufgegriffen werden. Passagen, die der Leser bereits verstanden hatte, werden noch einmal aufgegriffen und von einem viel früheren Punkt missverständlicher hergeleitet. In diesem Vorgehen braucht es in jedem Abschnitt eine neue Sprache, eine neue Begrifflichkeit, die die Paradoxien und Widersprüche, die auf jeder Stufe neu auftreten, wieder zusammenführen, eine höhere Reflexivität. Es ist auch immer das schiere Ringen nach einer neuen Semantik. War noch die sinnliche Gewissheit in einem Diesen oder Meinen gefangen zwischen Allgemeinheit und Einzelheit, setzte auch die Wahrnehmung ein und geriet in einen Taumel. Durch das Auftreten des Verstandes im nächsten Kapitel verbindet dieser mit Hilfe der verschiedenen Formen der Kraft die Widersprüche miteinander und kann so als höhere Position über die anderen reflektieren. Damit strotzt das System Hegels nur so vor Übergängen, deren einzelne Positionen stets einer neuen Verwirkung ausgesetzt sind. So möchte Hegel anscheinend die Übergänge so verständlich wie möglich gestalten, scheint aber Taylor zu Folge argumentativ in der Summe wieder etwas an Boden zu verlieren. Hegels Anspruch ist sogar so groß, dass er davon ausgeht, dass jede Position oder jeder Anfangspunkt irgendwann auf die gleichen Argumente und Widersprüche stoßen wird. In seinen schlussfolgernden Werken möchte er dies zeigen. Wie bei einem Fluss, dessen Hauptstrom nicht weiter verfolgt wird, sondern die Nebenflüsse entlangfährt, um jeden Punkt ausgiebig zu erforschen. Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt beschäftigt sich mit dem Teil der Wissenschaft der Logik, im Folgenden WdL genannt, welcher dazu führt, die schlechte Unendlichkeit als gute oder kontextual bezogene zu denken. Doch vorerst einen Schritt zurück. Die Wissenschaft der Logik, die man auch als weitere Einführung in Hegels System verstehen kann, ist unterteilt in Sein, Wesen und Begriffslogik. Man muss an dieser Stelle feststellen, dass die einzelnen Passagen nach ihrem Grad der Reflektivität gestaffelt wurden. Ein Widerspruch, welcher zu einer neuen Position führt und dann zu einem weiteren Widerspruch, könnte unendlich fortgeführt werden ohne Anfang oder absehbares Ende. Doch was wäre das? Eine schier unendliche Aneinanderreihung von Thesen und Aussagen, die sich lediglich auflösen, um einer neuen, vielleicht noch immanenteren Position Platz zu machen. Dies würde niemals enden. So muss eine schlechte Unendlichkeit, nämlich die des Regresses und linearen Fortführens, zur guten Unendlichkeit werden. Hegel listet in der WdL Punkte auf, warum dies aus seiner Sicht geschehen muss und vielleicht fußt genau an diesem Punkt eine der Hauptthesen seiner Philosophie schlechthin. Diese Methodenkritik soll ernst genommen werden; welche wichtigen Annahmen müssen getroffen werden, um mit Hegel operieren zu können? Hegels Logik beginnt mit dem Sein. Das Sein ist das Sein und auf diese Weise leer und deshalb nichts. Das Sein, welches auf etwas gerichtet ist, wird zum Dasein. Und Dasein und Nichts sind durch das Werden und Vergehen miteinander verbunden. Dies ist einer der möglichen Anfänge für Hegels System in der viel diskutierten Debatte, um generelle Anfänge zu Hegels System, die an dieser Stelle nicht wiederholt werden soll. Da wir Sein – für Hegel – auf diese Weise immer als Dasein betrachten, ist diese Form des Seins gerichtet. Es ist mit affirmativen und negativen Bestimmungen und Eigenschaften angefüllt, um sich von anderen Formen des Seins zu unterscheiden. Natürlich ist diese Wechselwirkung von einem Ding zu einem anderen komplex. Aus dieser Wechselbeziehung entstehen die Momente, was etwas an sich ist und was es für ein Anderes ist. Das Etwas, welches da ist,ist wie eine Wiese da, weil es endlich und veränderlich ist. Hegel will für seine Ontologie beweisen, dass sich alle Dinge im Widerspruch befinden und es deshalb zu einer unendlichen Verkörperung führen muss. Es geht um die Kategorie der Notwendigkeit, die vom Widerspruch angetrieben wird. Der Satz „Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit“ wird Hegel zugeschrieben. Vor allem von Engels und vielen Linkshegelianern wird auf diese Stelle in Hegels Werk Bezug genommen. Er hat diesen Satz allerdings so nicht aufgeschrieben. Es handelt sich dabei um ein ungenaues Zitat. Natürlich ist es nicht völlig falsch, Hegel auf diese Weise zu zitieren, beachtet man andere Stellen. Bestimmtes Etwas enthält immer seine Negation in sich und da dies nicht sein kann, geht es zu Grunde und wird etwas Neues. Der Widerspruch betrifft den Begriff. Taylor schreibt hierzu:

„Aber obwohl die Sprache des Selbstwiderspruchs sehr suggestiv ist, wird sie nicht durch einen strengen Beweis begründet.“

Hegel erarbeitet den Begriff der Unendlichkeit als etwas, was das ganze System der endlichen Dinge und ihrer Beziehung ist. Dieses Unendliche beinhaltet das Endliche, es ist mit ihm identisch und umfasst es als Ganzes. Das schlechte Unendliche stellt nun eine sinnlose Reihe endlicher Dinge dar, die immer wieder untergehen und ersetzt werden. Das positive Unendliche entsteht nun, wenn man erkennt, dass etwas, das ersetzt wird, durch etwas anderes ersetzt wird und eine Identität im Wechsel mit jenem bildet. Es ist das Erkennen der Identität im Unterschied. Wäre dem nicht so, würden wir anhand der unendlichen Fülle an Gegenständen und Erscheinungen in unserer Welt untergehen und nichts als etwas Gleiches zu etwas anderem erkennen. Es ist die Entdeckung der Idealität. Ein Vorgänger geht aufgrund der begrifflichen Notwendigkeit unter. Die gute Unendlichkeit ist eine Totalität, ein Ganzes, dessen Elemente sich aufeinander beziehen. Aus der PdG geht hervor, dass das Begriffspaar von Subjekt und Objekt überwunden wird, ohne für eine der beiden Seiten vollständig Partei zu ergreifen. Der Widerspruch entsteht aus dem Begriff, weil dies unser eigener innerer Maßstab ist, die Wirklichkeit zu begreifen. Taylor schreibt:

„Rechtfertigt Hegel nun die Behauptung, dass die Wirklichkeit an sich schon widersprüchlich ist? Beim Lesen der Logik wird das der Leser zu beurteilen haben. Ich glaube es nicht.“

Deshalb scheitert Hegels Logik nicht, es zeigt aber, wie andere wichtige philosophischen Positionen scheitern. Hegels Logik kann als Ansammlung von Gegenpositionen verstanden werden, obwohl die Argumentation eindrucksvoll ist und an vielen Punkten den Beweis nicht liefert. Die Formel, welche in der Logik dargestellt wird, ist innerstes Wesen bzw. Selbsterkenntnis des Geistes. Röttges stellt in seinem Buch die beiden Frontalpositionen dar, in denen die Diskussion um den Anfang der Philosophie bei Hegel steckengeblieben ist. Auf der einen Seite sind die Hegelgegner, welche ihrer Ansicht nach die methodologische Irrelevanz anführen, denn diese enthält die Unwissenschaftlichkeit des gesamten Systems. Während Vertreter der Dialektik den Begriff verschwommen darstellen, um diesen anzuerkennen, wie etwa als Polarität, Wechselwirkung oder Paradoxie. Gegen die Dialektiker wird wiederum geltend gemacht, dass diese sich durch die Relativierung des Satzes, vom zu vermeidenden Widerspruch, außerhalb aller argumentativen Auseinandersetzung und außerhalb aller Widerlegbarkeit begeben haben. Anhänger von Hegel würden einwenden, dass es unmöglich ist, Methode und Inhalt in den Verflechtungen zu trennen, da Spekulation die Selbstbewegung des Inhaltes ist.
Hegel kann die Frage erst am Ende der WdL beantworten:

„Die Allgemeinheit ist der reine, einfache Begriff, und die Methode als das Bewusstsein desselben weiß, dass die Allgemeinheit nur Moment und der Begriff in ihr noch nicht an und für sich bestimmt ist.“

Für Hegel gibt es kein Zurück hinter die Antinomien Kants. Die Gefahr bei einer Untersuchung der Methode Hegels wäre herauszufinden, dass Hegels Philosophie reine Reflexion und Relativierung wäre, der Fortgang wäre eine Negation aller Unterschiede. Möglicherweise ist es so, dass ein rein Unmittelbares für uns nicht denkbar ist, was nicht bedeutet, dass es kein Unmittelbares gibt. Röttges bezieht sich auf die Kritik, welche auch schon von Trendelenburg geäußert wurde, nämlich, dass die Selbstbewegung des Begriffes im Fortgang der Philosophie Hegels nicht funktioniert und damit steht und fällt der Wahrheitsanspruch der Hegelschen Philosophie. Zusammenfassend sagt Röttges, dass die Auffassung der bestimmten Begriffe der Hegelschen Logik als Kategorien und das Verständnis der Methode ihrer Fortbestimmung als rein logisch-gedankliche Reflexion nicht ausreicht, um den Hegelschen Anspruch der Methode der Selbstbestimmung des Begriffs durch seine Bestimmtheit begreiflich zu machen. Am Schluss seines Buches heißt es noch, dass es möglicherweise doch noch eine weitere Möglichkeit gibt, sich den Hegelschen Texten zu nähern, ohne auf die sich gegenüberstehenden Antithesen oder Aporien einzugehen. In anderen Worten: Man muss die These, die Substanz als Subjekt aufzufassen und zu begreifen, mit einbeziehen, sonst funktioniert das System nicht. Verschiedene Kreise, die sich gegenseitig zum Ausgangspunkt setzen und sich so implizieren und beweisen, sind häufige Motive in Hegels Denken. Doch das stimmt nicht ganz, wie man an der Figur des Endlichen und des setzenden Geistes bemerkt. Die Figuren sind sich oft nur ähnlich.