Begriffe wie Symbol, Zeichen, Bedeutung, Bild kommen erst in den Vorlesungen über die Ästhetik zu ihrer vollen Entfaltung. Im Abschnitt 7 über „Die Entwicklung des Ideals zu den besonderen Formen des Kunstschönen“ existieren neben der symbolischen noch die klassische und die romantische Kunstform. In der symbolischen Kunstform gibt es einen Abschnitt mit dem Namen: „Die bewusstSymbolik der vergleichenden Kunstform“. Dort unterscheidet Hegel zwischen „Vergleichungen welche vom Äußerlichen anfangen“, zu denen Fabel, Parabel, Sprichwort, Apolog und sogenannte Verwandlungen gehören, „Vergleichungen, welche in der Verbildlichung mit der Bedeutung den Anfang machen“ und denkt über das „Verschwinden der symbolischen Kunstform“ nach. Gemessen an Hegels Psychologie der Intelligenz sind die Momente, nämlich das Rätsel, die Allegorie sowie Metapher, Bild und Gleichnis auf einer höheren Stufe anzusehen, da sich diese schon von der Äußerlichkeit gelöst haben. Der Grad der Abstraktion und der Reflexivität ist hier höher. Hegel macht dies mit Hilfe des Dreiklangs seiner Logik und später auch mit dem Moment des Verweilens deutlich, worum es ihm geht. Meiner Ansicht nach ist gerade der Begriff des Verweiltseins Aufruf zum langsamen und nicht automatischen Denken von System.

Es beginnt mit der immer wiederkehrenden Logik von Ansich, Fürsich und Anundfürsich. Im Ansich ist das Symbol noch das Rätsel, da es ansich schon rätselhaft ist. Hegel macht auch klar, dass für ihn die Künste fremder Kulturen wie Indien, ihn vor eine Aufgabe stellen, da es für ihn nicht einfach ist, die Bedeutung dieser Kultur freizulegen. Doch das Rätsel ist noch dem Zweifel unterworfen, welche Gestalt denn nun für das Symbol genommen werden müsse. Der Erfinder des Rätsels legt mit der zusammenhanglosen Aneinanderreihung neben der Bedeutung noch mehr in das Rätsel hinein. Die Bedeutung muss dann vom Ratenden aus der Verwirrung gelöst werden. Eine zusätzliche Bedeutung erscheint dadurch nicht, es handelte sich lediglich um ein bewusstes Verbergen und Wiederauffinden.

Die Allegorie steht nun dem Rätsel entgegengesetzt und erstrebt äußerliche Klarheit. Eigenschaften aus der natürlichen Welt, wie etwa die Liebe werden vermenschlicht bzw. als Subjekt aufgefasst. Nun muss die Allegorie allerdings, um ihr Ziel zu erreichen, sämtliche bestimmte Individualität bzw. Subjektivität aushöhlen, um ihre Bedeutung zu erreichen. Eine Sense, die den Tod repräsentiert, trennt diese als besonderes Moment von der Allgemeinheit des Todes und hat in ihrer Bestimmtheit lediglich den Gehalt eines Attributes. Dies mache eine „Frostigkeit“ der Allegorie aus. Die Kraft der sich selbst auf sich beziehenden Einheit ist verloren gegangen. Die Allegorie macht die Klarheit ihrer Bedeutung zum allherrschenden Zweck. Nun geht es im dritten Kreis“ um das Bildliche überhaupt, welches sich durch Metapher, Bild und Gleichnis ausdrückt:

„Das Bildliche nun verbindet diese Deutlichkeit des Allegorischen mit

jener Lust des Rätsels. “

Die Bedeutung erscheint für uns sofort und in einer Direktheit, dass man sie nicht mehr zu entziffern braucht. Die Metapher hat nun eine Bedeutung und ein Bild, diese wird aber durch ein „wie“ miteinander verbunden, sie ist für Hegel noch nicht gesetzt. Die Metapher nennt nur das Bild. Die Metapher „Ein See von Tränen“ kann noch als rein äußerlicher Ausdruck auftreten. Sprache hat nun für Hegel selbst schon eine Menge an Metaphern. Durch Gewohnheit im Gebrauch wird die Metapher schon im Bild zu ihrer Bedeutung. Niemand denkt noch bei dem Wort „begreifen“ an eine Hand. Erst die poetische Phantasie kann neue Metaphern erfinden. Der Sinn der Metapher ist:

Das Lebhafte besteht in der Anschaulichkeit als bestimmter Vorstellbarkeit,

welche das immer allgemeine Wort seiner bloßen Unbestimmtheit

enthebt und durch Bildlichkeit versinnlicht.

Als Moment der Verstärkung, als erste Schritte zur Flucht aus der Äußerlichkeit und die Lust zur Phantasie macht die Metapher lebendig. Das Bild steht nun zwischen Metapher und Gleichnis und sondert sich in seinem Fürsichsein, als konkrete Existenz auf die geistige Seite ab. Das Bild kann einen ganzen Verlauf aus Zuständen, Tätigkeiten, Hervorbringungen zur Bedeutung haben, ohne diese zur Sprache bringen zu müssen. Genau hier ist meiner Meinung nach eine Beschreibung für das Bildhafte und sofort in unseren Köpfen auftretende Bildlichkeit von System 1 gemeint. Der Inhalt des Bildes ist hier ein Subjekt, welches verbildlicht. Es geht sogar soweit, dass das Bild eine selbstständige Existenz haben kann. Das Gleichnis kann nun die Abstraktion der Bedeutung zum Ausdruck bringen. Im Gleichnis sind nun Bild und Bedeutung vorhanden und aufgrund ihrer Ähnlichkeit aufeinander bezogen. Auf diese Weise ist das Gleichnis eine Wiederholung bzw. ein langweiliger Überfluss. Das Gleichnis kann jetzt die Bedeutungen mannigfaltig zusammenbinden und für den Geist freilegen und zwar in seiner abstrakten Allgemeinheit, was den äußeren Zusammenhängen noch fernliegt. Mit Hilfe einer schwelgerischen Einbildungskraft gelingt ein Witz, der noch etwas Geistreiches hat und eben mehr als ein Witz ist. Und an genau dieser Stelle kann man etwas für das System 2 nach Kahnemann (Schnelles Denken, Langsames Denken) Interessantes finden:

„Näher aber zweitens sind die Vergleichungen ein Verweilen bei ein und

demselben Gegenstande, der dadurch zum substantiellen Mittelpunkte

von einer Reihe anderer entfernter Vorstellungen gemacht wird, durch

deren Andeutung oder Ausmalung das größere Interesse für den verglichenen

Inhalt objektiv wird.“

Diese Definition ist ein entfernter Verwandter dessen, was man aus der Theologie kennt. In der Bibel stehen Gleichnisse, damit wir uns an ihnen abarbeiten können. Das große Konzept, nämlich die Substanz zum Subjekt zu machen, ist auch hier erkennbar. Erst durch das Verweilen im Gleichnis werden mit Ruhe und Muße Gedanken freigelegt, die vielleicht sonst nicht zum Vorschein gekommen wären. Es ist eine Einladung zur Langsamkeit. Denn das Verweilen durch das Gleichnis kann nach Hegel mehrere Gründe haben:

  1. Hegel nennt das Sichvertiefen.

Der Schlüssel ist die Empfindung und man kann Hegels schönes Beispiel mit der Liebe genauso lesen. Der Liebende vertieft sich gedanklich ganz und gar in einzelne Teile der geliebten Person, wie Mund, Nase usw. und findet dann, dass es etwas generell Schönes oder Schmerzliches an anderen Mündern und Nasen gibt. Alle anderen Körperteile werden plötzlich herangezogen und unter neuem Licht betrachtet. Der Grad der Mannigfaltigkeit ist hier noch sehr niedrig, da es einzelne, sinnliche Teile sind, die uns zum Reflektieren anregen.

  1. Hegel nennt die epischen Gleichnisse.

Dort geht es einem Dichter wie Homer darum, uns die Ruhe zu geben, welche die geistigen Werke wie Skulpturen vor uns erschaffen. Hegel sagt dann noch etwas sehr Interessantes über das Verweilen im Sinne von Wichtigkeit und Hervorhebung:

„Andererseits hat das Verweilen bei Gleichnissen den weiteren Sinn,

einen bestimmten Gegenstand durch dies gleichsam doppelte Schildern

als wichtig auszuzeichnen und nicht nur flüchtig mit dem Strom des

Gesanges und der Begebenheiten fortrauschen zu lassen. “

Für Gleichnisse sei noch das Drama wichtig, welches Individuen beschreibt, die einempraktischen Zwecke folgen und sich von den Begebenheiten lösen können. Hegel nennt hier die wichtigen Verflechtungen zwischen dem Befreien des Individuums vom Schmerz, als Befreiung der Einheit mit dem Schmerz und die Ruhe bzw. Fassung des Charakters mit sich selbst. An dieser Stelle kann man als Pate für die Langsamkeit auch das mühevolle Denken oder die Reflexion sehen, allerdings wollte ich in diesem Abschnitt explizit eine Möglichkeit bieten, die sich direkt mit einer Form des langsamen Denkens beschäftigt, auch wenn der Einwand berechtigt ist, dass die Ästhetik zunächst weiter von der Position des Selbstbewusstseins entfernt ist als die entsprechenden berühmten Teile des Werkes.