Hegel hat in seinen Texten zu Grundlinien der Philosophie des Rechts Ansätze zu einer Theorie der Faulheit aufgeschrieben. Es heißt, dass der Pöbel arbeitsscheu wird, da er die Ehre nicht hat, seine Subsistenz durch Arbeit zu finden. Die Gewohnheit der Arbeit würde verschwinden und das Bedürfnis der Arbeitsamkeit verschwindet. Die Aussagen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Zuerst geht die Gewohnheit zu arbeiten verloren. Auf diese Weise steht der Pöbel der Selbstverwirklichung des Geistes entgegen, die praktische Bildung der Arbeit und die Praxis verschwindet. Bildung bedeutet für Hegel auch immer, durch Zucht lernen und gewöhnt werden. Denn erst durch die Tätigkeit entsteht Bildung und diese Bildung ist Bildung von Gewohnheit an Tätigkeit überhaupt, eine Gewohnheit die im Vermittlungszusammenhang steht. Damit verbindet diese auch auf einer höheren Stufe die Institutionen miteinander.

Der Körper ist nicht länger ein feindliches Wesen, das gegen mich aufständisch ist, vielmehr findet er sich von der Seele durchdrungen und wird ihr Instrument, aber zur gleichen Zeit ist der Körper als solcher gedacht, der Körper wird zu etwas Flüssigem und das Denken drückt sich in ihm aus, ohne das Bewusstsein oder die Reflexion einzusetzen. Die Gewohnheit hat etwas Verallgemeinerndes und sich zu eigen Machendes. So kann ich durch die Gewohnheit verallgemeinern und mich selbst entlasten, da ich nicht mehr im Einzelnen gefangen bin und auf diese Weise frei werde. Die Quelle des Pöbels ist Faulheit und Gesinnung. In der Rechtsphilosophie gibt es verschiedene Stellen, die sich mit Faulheit und der Fäulnis beschäftigen (Zitate aus den Grundlinien der Philosophie des Rechtes):

 

„Ein Leib ist z.B. die Realität, die Seele der Begriff. Seele und Leib sollen

sich aber angemessen sein; ein toter Mensch ist daher noch eine Existenz,

aber keine wahrhafte mehr, ein begriffloses Dasein: deswegen verfault

der tote Körper. “

 

Verfaulen ist das Resultat eines nicht länger wahrhaften Verhältnis zwischen Begriff und Realität. Der Pöbel ist auf dieseWeise keine wahrhafte Existenz im Staat. Die Gewohnheit des Pöbels wird zu einer rein mechanischen Gewohnheit, immer das gleiche zu tun. Ferner „vom Körper abgerissen, verfault die Hand“, da die Hand nicht mehr in einem richtigen Verhältnis zum Körper steht, kein Glied des Organismus mehr ist. Fäulnis und Verfaulen treten ein, wenn die Hand oder die Realität vom Begriff abgerissen werden. Dennoch bleibt der Organismus immer noch ein Organismus, so heißt es:

 

„Aber der hässlichste Mensch, der Verbrecher, ein Kranker und ein

Krüppel ist immer noch ein lebendiger Mensch; das Affirmative, das

Leben, besteht trotz des Mangels, und um dieses Affirmative ist es hier

zu tun.“

 

Bloße Wiederholung produziert Unorganisches und dieses Unorganische, welches diesen Kampf auf diese Weise nicht bestehen kann, wird verfaulen, denn der Mensch

stirbt auch aus Gewohnheit […], denn tätig ist der Mensch nur, insofern

er etwas nicht erreicht hat und sich in Beziehung darauf produzieren

und geltend machen will. Reine mechanischeWiederholung wird

zum Unorganischen und droht zu verfaulen, bzw. als Ganzes, Gruppe

etc. abgetrennt zu werden.

 

Der politische Körper soll sich in keinem Moment als unorganische Menge zeigen. Anstrengung im Allgemeinen lassen sich bei Hegel in den aktiven Positionen der Rechtsphilosophie lesen. Über die Trägheit des Willens schreibt Hegel:

 

„Ein Wille der nichts beschliesst, ist kein willkürlicher Wille; der Charakterlose

kommt nie zum Beschliessen […] Ein solches Gemüt ist ein

totes, wenn es auch ein schönes sein will. […] Durch das Beschliessen

allein tritt der Mensch in die Wirklichkeit, so sauer es ihm auch wird,

denn die Tätigkeit will aus dem Brüten in sich nicht hinausgehen, in

der sie sich eine allgemeine Möglichkeit beibehält. Aber Möglichkeit ist

noch nicht Wirklichkeit.“

 

Der trägeWille ist zwar frei, will aber noch nicht zur Unterscheidung zum Setzen oder zu Bestimmungen gelangen. Der träge Wille hat Möglichkeiten, realisiert diese aber nicht, eine Form von Faulheit bei Hegel. Abschließend halte ich fest: Faulheit tritt in Verbindung mit einer mechanischen Gewohnheit auf, die noch nicht im Stande ist, einzelne Möglichkeiten oder Unterschiede zu setzen. Die Gewohnheit als eine der befreienden Kompetenzen, die in der EdW noch in der Anthropologie vorkommen, wird ohne die Fähigkeit der Durchdringung lediglich wiederholend und träge, sie trennt sich vom Ganzen und verfault. Der Mensch will sich produzieren und sich weiterentwickeln.